Angekommen – Oder: Warum in Amerika alles anders ist…

Was für ein Tag, 6h aufstehen, 7h ins Taxi. 25KM zum Frankfurter Flughafen – 9h30 Take-Off – 10.000KM bis nach Las Vegas – 22h oder besser 13h Ortszeit in den Shuttle-Bus zur Car Rental Station. Eine Stunde warten weil ALLE ABER AUCH ALLE Mitflieger ein Auto wollen. In Las Vegas ist diese Woche ein Ärzte-Kongress! Endlich bin ich an der Reihe. Dann habe ich keine Liability gebucht – sagt die Dame am Counter jedenfalls. Hm, fahren ohne Haftpflicht ist nicht lustig – was kostet das denn – very cheap – nur 13,95$ – Echt? – JA! – PRO TAG? – Oh!!!

Ok, was sein muss muss sein. Bewaffnet mit Notebook-Tasche, Fotorucksack und zwei Koffern zu je 23 KG wandere ich in die Halle in der ALAMO seine Autos stehen hat. Ein netter Herr weist mir den Weg zur Choise-Line. Prima, nur den Trailblazer zu dem mir geraten wurde gibt es hier nicht. Das größte was da rumsteht ist ein Nissan X-Terra – ok er ist sauber und hat keine Beulen, also rein mit den Klamotten und los zur Schranke. Da zeige ich brav meinen Führerschein und das Pappblättchen vom Armaturenbrett und schon versinkt die rot/weiß gestrichene Barriere im Boden. Kannte ich bisher nur vom Kanzleramt…

So etwa um 14h Ortszeit geht es also endlich los – ABER erst einmal muss man halten und warten bis das Navi sich wiedergefunden hat – eigentlich ist es für Wandertouren konzipiert. Nach ein paar Minuten zeigt es mitten im Stadtplan von Las Vegas einen freundlichen blauen Pfeil an! Genial! Dann mal los auf die Autobahn nach Norden! Ist hier alles ganz einfach, man fährt nicht auf der A3 Richtung Oberhausen um dann bei Duisburg auf die A42 in Richtung Dortmund abzubiegen um dann bei Bochum auf die A43 Richtung Münster zu wechseln usw. Nein, hier fährt man nach Norden – so einfach ist das!

Der Weg ist lang und eintönig. Während ich da so herfahre kommt es mir fast vor wie der Süden von Teneriffa, nur größer und ohne Meer. Irgendwann wird das Speedlimit von 75 auf 65 auf 55 auf 40 Meilen reduziert. Ich bin im Virgin-Canyon. Das sieht alles großartig aus und so langsam kommt USA-Feeling auf. Bei der Landung und der Fahrt zum Car-Rental-Center kam mit alles vor wie Gran Canaria, ob es am Sand und den Palmen liegt??

Nach zwei- oder dreihundert Kilometern – mit den Entfernungen ist das hier so seine Sache – weist erneut ein freundlicher blauer Pfeil nach rechts in Richtung Lake Powell. Nur ist dieser aus Blech und steht verschämt am Straßenrand. Warum ich das erst erkenne als ich an der Ausfahrt vorbei bin kann ich nicht sagen. Die nächst mögliche Ausfahrt ist richtig weit weg. Ich glaube mich entsinnen zu können, bei Google-Earth eine alternative Verbindung gesehen zu haben. Also kurz raus und im Koffer mal nach der Karte suchen. Die findet sich schnell und – wer hätte das gedacht – alles gar kein Problem. Weiter geht’s…

10 Minuten später bin ich bei de Ausfahrt 27 – nur sehe ich sie von der Straße die parallel zum Highway verläuft. Egal, da ist die Ausfahrt jetzt geht es rechts ab. Alles ist super. Am Horizont die verschneiten Berg im Rückspiegel ein grandioser Sonnenuntergang. Der Ansgar gibt Gas! Der große Motor macht schöne kernige Geräusche – das bringt Spaß! Nach einer Kupp sehe ich plötzlich ein Polizeifahrzeuge auf der Gegenseite stehen – huch – schnell vom Gas – noch mal gut gegangen!

Mittlerweile ist es dunkel und ich bin schon fast seit 20 Stunden auf den Beinen – oder besser – auf dem Hintern! Am ersten Abzweig halte ich kurz mal an und werfe einen Blick auf meine tolle Karte. Der Maßstab ist mörderisch und Saltlake City und El Paso sind nicht weit von einander entfernt. Welchen Weg nehme ich denn oben oder unten am Zion Nationalpark vorbei??? Oben scheint es kürzer zu sein. Ok, weiter geht’s… Irgendwann ist es stockdunkel und mir fallen langsam die Augen zu. Dich da erscheint Springdale am Straßenrand. Cool, viele Hotels, Restaurants, echt niedlich hier – fast wie am Vierwaldstädter See in der Schweiz. Plötzlich ein kleines Häuschen für Eintrittskarten, geschlossen! Ich bin verwirrt, es kommen Autos aus der Gegenrichtung, habe ich mir so verguckt, ein Park???

5 Minuten drehe ich am Rad des Navis dann wird klar. ich bin an der Westlichen Einfahrt des Zion Nationalparks angelangt – aus Versehen! Vielleicht ist die deutsche Weise der Autobahnnavigation doch gar nicht so verkehrt denke ich mir und fahre langsam weiter. Die Straße wird enger und kurvenreicher. 20 Meilen darf man hier “schnell” fahren! Das Navi zeigt Luftlinie noch 189KM Bis nach Page – autsch! Ich kann das alles nicht glauben und halte noch mal an, aber alles ist korrekt, lediglich der Maßstab der Karte ist so hoch, dass die vielen vielen Kurven einfach fehlen. Irgendwann bin ich so weit oben im Zion National-Park, dass an den Straßenrändern Schnee liegt. Hoffentlich ist die Straße frei, schießt es mir in den Kopf. Dann ein Wintermärchen, im Radio Country Musik, die Straße ist rotbraun oder Adobe wie man hier sagt. Auf den Bäumen Schnee. Ich mitten drin, war ganz witzig, leider konnte ich von alle dem fast nichts sehen weil es schon dunkel war…

Nach unendlich lang erscheinenden Kurven zeigt das Navi endlich einen Fortschritt in der Entfernungsmessung. Um 21h Ortszeit bin ich in Page. Langsam fahre ich den Lake Powell Boulevard entlang bis ich plötzlich rechts das Rodeway Inn sehen – geschafft!

Beim Aussteigen fällt mir auf, dass mein toller Nissan gar keine Nummernschilder hat!?!?!? Spinnen die Römer oder habe ich sie verlogen!?!? In der Windschutzscheide klebt ein Zettel der was von einer 30 Tage Sonderzulassung erzählt. Scheint also ok zu sein, der Mann im Hotel bestätigt dies.

Im Zimmer angekommen stelle ich fest, hier ist echt alles anders. In der Garderobe steht ein Bügelbrett, es gibt ein Bügeleisen, die Betten sind so groß, dass ich hier mit einer vierköpfigen Familie übernachten könnte. Alles ist frisch gestrichen und macht einen sauberen Eindruck. Endlich kann ich wie ET versuchen “nach Hause” zu telefonieren. Doch dann passt der Stecker vom neuen Notebook nicht in die Adapter, diese halten nicht in der Wand und und und… Das neue Taschenmesser hilft!

Während ich nun mein Ankunftsblog runter klimpere geht mir durch den Kopf
– die Autos sind größer
– die Straße sind breiter
– die Betten riesig und der Himmel wahrscheinlich ein wenig blauer…

Da war ich dann auch schon eingeschlafen…

Update: Bin wieder wach und warte auf das Frühtüsck – nur wann gibt es das? Klar, zwischen 7h und 9h aber wie spät ist es jetzt wirklich? In Las Vegas hatte ich meine Uhr korrekt eingestellt aber dann war ich in drei verschiedenen Bundesstaaten…

Das kleine animierte Bildchen auf dieser WebSeite bringt die Erleuchtung, in gut zwei Stunden gibt es Frühstück. http://www.cityofpage.org/

Der geneigte Zeiteisende des 21. Jahrhunderts kann sich auch stets hier informieren:
http://wwp.greenwichmeantime.com/time-zone/usa/arizona/page/

Bis zum Frühstück könnte ich eigentlich die Nokia Software zu meinem Handy installieren, dann kann ich auch Handyfotos ins Blog einbinden!

2 Kommentare zu “Angekommen – Oder: Warum in Amerika alles anders ist…

  1. Marcus

    Hallo Ansgar, danke für deine allmorgendliche und sehr erheiternde IPhone-Frühstückslecktüre. Das Land bietet anscheinend genühend Potetial für abenteuerliche Geschichten. Ich sag nur "public drinking"…also, pass auf dich auf! :-)Viele GrüßeMarcus

  2. Wolfgang

    Hallo, Ansgar,schön, dass Du es noch bis Page geschafft hast – das wird, nach dem Frühstück, noch ein toller Tag heute!Ich bin schon ganz wild auf nächsten Sonntag oder Montag in Page!Gruß von Teneriffa, Wolfgang (und auch von Karin!)

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