Ein entspannter Tag – Oder: Was macht man wenn einem alle Gräten weh tun

Nach der heftigen Tour von gestern habe ich es heute gaaaanz langsam angehen lassen, wirklich gaaaanz langsam! Das fing mit dem Ausschlafen an und ging dann im Restaurant die Straße runter so weiter. Als ich dort ankam war es genau 11h03 Ortszeit! “Can I have a breakfast please?” Nein, es ist nach 11h und die Dame bringt mir die Tageskarte! Ok, wenn es kein Frühstück mehr gibt, warum nicht ein dickes Steak!! “I think I’ll taste the T-Bone Steak!?! With a baked potato and some sour cream?” – Nun werde ich freundlich aber bestimmt drauf hingewiesen, dass wir kurz nach 11h haben und dass es diese Leckereien erst ab 17h gibt. Au Backe ist das schwierig, letztlich entschließe ich mich zum Bacon-Cheese-Burger mit French Frices und Ketchup! Dazu eine Pepsi!

Die Pepsi ist in sekundenschnelle auf dem Tisch, dazu gibt es einen dieser großen farbigen dicken Plastikbecher die sie hier überall haben. Glas könnte kaputt gehen, Scherben könnten entstehen, jemand könnte sich verletzten, ein Millionenklage könnte die Folge sein, also Plastikbecher!! Manchmal fühle ich mich hier wie im Kindergarten. Bier aus blauen Plastikbechern – das wäre ja noch was – aber Bier gibt es hier ja nicht! Im Safeways in Page habe ich im Regal ein paar lecker klingende Rotweinsorten entdeckt. Nur wie ich hier eines oder vielleicht auch mehrere Rotweingläser auftreiben soll ist mir rätselhaft. Sicher trinken die Leute hier – sorry in den anderen Bundesstaaten – ihren Rotwein auch aus bunten Plastikbechern – Frohstoff Plastik… Weil ich mich weigere einen leckeren Rotwein aus Pappbechern oder Einwegplastikbechern zu trinken habe ich bislang komplett drauf verzichtet, eigentlich schade. Aber so sind die eben hier!

Da steht dann auch schon der Frühstücksburger auf dem Tisch! Man ist der lecker, richtig gegrillt, und das Brötchen ist von den Innenseiten auch gegrillt! Es ist ein wenig Salat drauf – schmeckt super! Aber diese komischen Fritten. Die nehmen hier voll im ernst rohe Kartoffeln, waschen sie ab und quetschen sie dann durch eine Maschine die sie in Stäbchen mit 7-8mm Kantenlänge zerteilt. Das ganze wird dann inklusive der Kartoffelschalen in eine Fritteuse geworfen. Kurz danach landet es dann auf dem Teller. Hatte ich jetzt mehrfach und sie waren immer echt komisch. Heute waren sie außen so heiß, dass man sich dran verbrannt hat und innen noch halb roh. Wie machen es eigentlich die Belgier, dass die so gute Fritten haben? Werden die erst gekocht? Liegt es am perfekten wellenförmigen Schnitt? Oder diese schmalen Fritten beim MC Donalds in Deutschland, werden die vielleicht kurz vorgekocht? Ich muss das mal ergründen. Wie singt Helge Schneider so schön “Von Pommes kriegt man Pickel ist mir ganz egal!”

Der Spaß kostet 7,02$ – Eine komische Summe! Das liegt daran, dass hier die Mehrwertsteuer erst zum Schluss draufgehauen wird. Ist eigentlich besser, denn man sieht dann was die Leute wirklich für ihre Waren & Produkte kriegen und was der Staat abkassiert. Wenn also irgendwas 9,90$ kostet, wird daraus todsicher etwas zwischen 10 und 12 Dollar! Nicht wundern also!

Ok, ich muss also 7,02 Dollar zahlen, in der Geldbörse steckt ein 20er. Eigentlich gibt man 15% Trinkgeld, die Kellnerinnen bekommen in der Regel kein Gehalt sonder leben nur vom Trinkgeld. Wie viel sind 15% von 7,02 Dollar? Das kann ich so schnell nicht rechen und bitte darum, dass sie mir 10 Dollar zurückgibt. Sie ist total erstaunt und bedankt sich tausendfach, irgendwie ganz nett und ich muss bei meiner nächsten Höllentour nicht auch noch ein Kilo Kleingeld durch die Wüste schleppen.

Draußen im Auto dann die Frage: “Was mache ich heute!” Die Antwort habe ich mir morgens schon bereitgelegt und sie lautet “Bryce Canyon – bloß nix mit wandern!” – Also wenden und los. Über Tropic ist man nach etwa einer Stunde von Escalante am Bryce. Zwischendurch gibt es immer mal wieder kleine Fotostopps.

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Am Kassenhäuschen am Bryce sitzt wieder die adrette Rangerlady, sie trägt wieder diesen Hut mit der messerscharf wirkenden Krempe. Ich fühle mich an einen Zeichentrickfilm mit lauter kleinen Rangern erinnert, vielleicht kann mir jemand von Euch sagen wie der Film hieß? Ich zeige mein Annual-National-Park-Pass und sie fragt mich ob ich eine Karte möchte. Als ich ihr sage, dass sie mir in der letzten Woche schon eine Karte gegeben hat, grinst sie vergnügt und wünscht mir einen schönen Tag!

Am Sunrise-Point fahre ich mal vorbei, am Sunset-Point auch, am Inspiration-Point biege ich dann mal links ab und parke das Auto. Es ist wenig los, vielleicht 5 oder 6 Autos sind auf dem Parkplatz. Also die Kamera schnappen und zum Aussichtspunkt laufen – LAUFEN!! Es tut alles weh und die Schritte fallen schwer! Gut, dass es nicht wirklich weit ist! Der Himmel hat ein paar nette Wolken und das Wetter ist echt schön. Man kann am Rand des Canyons entlangwandern, von einem Aussichtspunkt zum nächsten, ganz nett!

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100 Bilder später bin ich wieder im Auto und fahre um entlegensten Aussichtspunkt dem Bryce-Point. Hier muss man nur 100 Meter gehen und steht dann an sehr exponierter Stelle fast mitten in der gigantischen Szenerie. Dieser Punkt ist mir fast der Liebste. Man überblickt hier wirklich alles und ist auf locker 2900 Metern Höhe! Also noch ein bisschen rumknipsen und dann zum Auto erst einmal Pause machen! Im Kofferraum ist noch eine kalte Cola, von der Offroad-Fahrerei total zerschrammt wie die anderen Dosen auch, aber kalt von der Nacht sie! Dann gibt es noch zwei Apfelsinen und eine paar bunte Erdnüsse sind auch noch da. Prima, nichts wofür man von ernährungsbewussten Damen gelobt würde, aber doch nahrhaft.

Ich wandere mit meinem Mittagessen ungefähr 23,5m bis unter einen kleinen Unterstand, dort sind zwei Bänke. Links sitzen zwei Ladys und essen auch gerade mitgebrachtes aus Plastiktüten. Die freie Bank ist voller kleiner Steine, die ältere der beiden springt sofort auf und reicht mir ein kleines Handtuch mit dem ich meine Bank freiwedeln kann, nett sind sie hier! Ich bedanke mich artig und beginne mit dem überaus praktischen Schweizermesser das ich tagsüber IMMER in einer kleinen Ledertasche am Gürtel trage meine erste Apfelsine abzupellen. Dann die Frage der Fragen “Hi how are you, where are you from?” Es kommt zu einer richtig netten Konversation. Ich kriege ein Loch in den Bauch gefragt und die beiden sind total überrascht, dass ich ganz allein für längere Zeit den Südwesten erkunde. Als sie mich dann fragen was ich für morgen geplant habe und sie nur ein “Well, I don’t know, maybe I’ll visit the Arches National Park – but I’m not yet shure.” Die beiden sind total überrascht, dass da jemand durch die Gegend reist und Dienstags nicht mit Bestimmtheit weiß wo er am Mittwoch sein wird – unvorstellbar! Aber genau das ist FREIHEIT! So und nicht wirklich anders will ich es haben. Es gibt eine grobe Vorstellung was ich alles sehen möchte, aber fest geplant ist gar nichts 🙂 Die ältere der beiden, ich denke es sind Mutter und Tocher, springt sofort auf und läuft zu ihrem Auto. Zurück kommt sie mir einer riesigen Karte! Dann beginnt sie zu erklären, dass sie gestern in Moab waren, welches Motel sie empfehlen würden, welche Straßen die schönsten sind und so weiter. Zwischendurch hält sie inne und stellt sich erst einmal vor und reicht mir die Hand zum Gruße. Meine Hand klebt von der Apfelsine, egal ich schlage ein. Sie schaut danach ein wenig irritiert ihre Hand an, geht dann aber gleich darüber hinweg und stellt mir ihre Tochter vor. Die hat auch gerade klebrige Finger, wohl von einem Apfel, egal, doppelt klebrig ist besser als einfach klebrig!

Dann geht es fast eine Stunde so weiter. Sie erzählt mir, dass sie 1973 mal in München war. Ihre Tochter kennt Deutschland gar nicht. Sie fragen was ich so arbeite. Als ich entgegne ich sei IT-Consultant – ernte ich zuerst unverständiges Kopfschüttel. Ich führe aus, dass ich ganz gut mit C# klarkomme und mich mit den Microsoft-Produkten ganz wohlfühle. Dann fällt der Groschen – wie sie dann das Wort IT-Consultant ausspricht ist sensationell. So kann das niemand in Deutschland, ohne die berühmte Kartoffel – versteht sich!

Als sie dann losfahren winken sie mir beide total süß zu und ich fühle mich echt gut. Das war wieder mal richtig nett, ich mag die Leute hier!

Langsam packe ich meinen Müll zusammen und fahre zum Ausgang des Parks. Innerhalb einiger Sekundenbruchteile entscheide ich mich dann links abzubiegen. Da war ich noch nie, wie fast überall hier… Aus dieser Entscheidung wird eine tolle Rundreise durch Skigebiete, Cedar City, Wälder, Canyons, Schnee, Wälder, Seen – es ist so schön hier!

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An einem echt großen zugefrorenem See halte ich mal an. Dort hat sich jemand mit einem riesigen Handbohrer auf das Eis getraut und ist gerade damit beschäftigt mit dem Fischen zu beginnen, lustige Leute gibt es hier… Ich mache schnell ein paar Fotos mit Teleobjektiv im Gegenlicht und weiter geht die Reise. Die Straße die ich eigentlich nehmen will ist mir meterhohem Schnee bedeckt, an der Abzweigung mehrere Leute mit ungläubigen Gesichtern. So ist das eben, wenn zu viel Schnee liegt muss man eben bis zum Frühjahr warten! Ich nehme also die große Runde über Cedar City. Ein Vorstellung wie diese Stadt aussieht habe ich inzwischen und ich werde nicht enttäuscht! Irgendwie sehen die Städte alle gleich aus. Alle Straßen bilden ein gleichmäßiges Schachbrettmuster. Die Häuser stehen irgendwie verloren in der Gegend herum, vor den meisten Häusern steht ein großer Truck. Ein wirkliches Zentrum, Flair, Fußgängerzone, eben das was für mich eine Stadt ausmacht habe ich hier noch nicht gesehen. Es ist im Grunde genommen strukturell immer noch so wie zu den Gründerzeiten. Es gab mal eine Straße, auf der fuhr eine Postkutsche, die Pferde brauchten Wasser und die Kutscher Wiskey und ein Bett – so entstanden die Städte. Heute haben die Tankstellen die Pferdeställe verdrängt, aber der Rest ist noch ganz ähnlich wie damals. Die Städte die ich heute gesehen habe sind irgendwie immer gleich aufgezogen. Es gibt Motels am Ortsein- und ausgang. Eine oder viele Tankstellen, ein paar Läden, ein wenig Fastfood, das war es dann schon. Drumherum kunterbunt verstreut ein paar Häuser, mal schick gemauert mit allem Schnickschnack, dann wieder einfachste Holzhütten, oder auch mal ein Mobile-Home – ein Haus auf Rädern!

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Als Ingenieur für Elektrische Energietechnik muss ich immer wieder schmunzeln wenn ich sehe wie die Häuser mit elektrischer Energie versorgt werden. Das ist teilweise schon ein wenig abenteuerlich! Aber es geht und die Leute scheinen damit ganz gut zu leben. Es muss nicht immer alles so fein und artig sein wie in Wachtberg oder einer beliebigen anderen deutschen Kleinstadt 🙂

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Zwischendurch muss ich mal tanken, das klappt endlich mal total problemlos, aber der Tankstelle läuft sogar coole Musik. Dann geht es mit einbrechender Dunkelheit zurück nach Escalante zur letzten Nacht im Circle D. Der Weg ist weit aber schön. Die letzte halbe Stunde fahre ich ganz allein auf dem Highway 12. Nichts überholt, niemand kommt mir entgegen, es gibt echt viel Platz hier!

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Ein entspannter schöner Tag!

Hier die Trackanalyse – Interessant ist, dass ich einmal auf 3205 Metern über dem Meeresspiegel war – mit dem Auto!

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Hier das KMZ zum selber gucken – sieht besonders in der 3D-Ansicht cool aus – wenn man es dann noch dreht – richtig Klasse!

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Morgen heißt es dann früh aufstehen, Körperpflege, alles zusammenpacken, Schlüsselabgeben und los – nach Moab? Mal sehen…

Wenn es keinen Internet-Zugang gibt – nicht traurig sein – ich passe auf mich auf und melde mich wieder sobald es möglich ist 🙂

Und zum Schluss noch der Link zur Diashow des Tages.

2 Kommentare zu “Ein entspannter Tag – Oder: Was macht man wenn einem alle Gräten weh tun

  1. Gabi

    Hallo Ansgar,das scheint ja ein schöner, erholsamer Tag gewesen zu sein. Sehr schön, wie Du das alles beschreibst. Das weckt wunderschöne Erinnerungen. Das ist genau eines der Dinge, die mein Mann und ich am Südwesten so sehr lieben – gemütlich und ohne Hetze durch die Gegend zu cruisen – durch die verschiedensten Landschaften – Wälder, unendliche Weiten oder Felsenlandschaften – einfach stehen bleiben, wo es schön ist – ein bisschen fotografieren und die Gegend genießen – dann wieder weiter bis zum nächsten Punkt, wo es einem gefällt. Durch die Kleinstädte fahren – hie und da mal anhalten. Ich mag die Kleinstädte. Hunger oder Durst kein Problem. Irgendwo gibts immer was. Ob an der Tanke oder in einem Diner oder einem Laden. Und fast immer alles zum "take away". Das empfinde ich als "Freiheit" und ich hab es jedesmal genossen.Auch das Autofahren da drüben ist so einfach und entspannt. Es geht viel ruhiger ab als bei uns in Österreich und sicher auch in Deutschland.Moab kann ich Dir nur empfehlen. Uns hat es sehr gut dort gefallen. Es gibt dort nicht nur die zwei Nationalparks, die wunderschön sind, sondern noch viele andere interessante Ecken, wie die Fisher Towers. Aber ich nehme an, das weißt Du ja. Wünsche Dir noch viel Spaß und pass auf auf Dich. Übernimm Dich nicht wieder so.lg Gabi

  2. Wolfgang

    Sag ich doch – Big Horn ist super!Bin wieder auf Teneriffa gelandet – alles ok.Ich verfolge Dich weiter!Gruß, Wolfgang

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