La Palma – Tag 5

Als wir am Morgen auf dem Weg zum Frühstück sind ereignet sich am Himmel etwas höchst bemerkenswertes. Wir sehen Wolken, endlich die heiß ersehnten fotogenen Urlaubswolken. Einen kurzen Augenblick überlege ich ob ich schnell zurück ins Zimmer soll um schon einmal einen Fotoapparat klar zu machen, aber der Hunger siegt. Während wir mit Blick auf das Meer frühstücken erwacht der Tag so richtig. Bei mir verhält es sich leider irgendwie umgekehrt. Nach dem Frühstück bin ich noch genauso müde wie zuvor, aber doch gewillt ein paar schöne Fotomotive zu suchen bei denen die überaus fotogenen Morgenwolken die Sahne auf den Fotos sein könnten.

Als wir das Restaurant verlassen muss ich dann zu meinem Entsetzen feststellen, dass es keine Wolken mehr gibt. Sie sind einfach weg, scheinbar hat die Sonne sie verdunsten lassen, oder der Wind hat sie hinfort geweht. Ich komme mir ein wenig vor wie Leonardo di Caprio in seiner Rolle als Howard Hughes. Insgeheim denke ich mir „Warum sieht das so scheiße aus? Wolken das ist es, wir brauchen Wolken!!!“ Doch im Film muss danach die gesamte Crew viele Monate warten bis sie ihre Fliegerschlacht vor einem hübsch locker bewölktem Fotohimmel drehen können. Mir schwant nichts gutes, wenn wir Pech haben wird es hier noch wochenlang keine Wolken geben und damit sind alle Motivvorstellungen die ich beim Reiseantritt im Kopf hatte nur noch Makulatur. Aber warten wir es mal ab, ändern kann ich es ja eh nicht…

Den Rest des Tages versuche ich am Pool zu verbringen. Aber immer wenn ich gerade eingeschlafen bin weckt mich irgendwas. Entweder hat Sandra Hunger oder ich werde hinterlistig mit kalten feuchten Wassertropfen bespritzt. Es ist grauenhaft und ich wünsche mit endlich wieder zurück im Büro sein zu dürfen. Endlich wieder normaaaale Leute!

Gegen 15h wird es unerträglich, ich muss weg von diesen Menschen die gerade alle im Urlaubsmodus sind. Die Hitze geht mir auf den Keks und ich freue mich darauf die Klimaanlage im Zimmer auf 110% zu stellen und mir auf dem Notebook ein paar Folgen von Parenthood anschauen zu können.

So vergeht der Tag ohne ein einziges Foto und am Ende werde ich mich gerädert fühlen, Kopfweh haben und völlig urlaubsreif sein.

Doch dann kommt alles anders…

Während wir beim Abendessen hoch oben über den Bananenplantagen auf das Meer hinaus schauen ziehen plötzlich zaghaft einige kleine Wolken vorüber. Vielleicht sind es die Wolken die wir schon am Morgen gesehen haben. Es könnte sein, möglicherweise haben sie sich hinter dem Sonnenschein versteckt, wer weiß das schon… Ist ja auch egal, denn nun sind sie endlich da die lang erwarteten dekorativen Fotowolken. Da heißt es nichts wie los und das Fotogerät startklar machen. Sandra schnappt sich ihre Nikon D5100 und ich greife mir die auf Infrarot 830nm umgebaute Nikon D300. An die D300 setze ich schnell eines meiner Lieblingsobjektive, das supergute AF-S VR 16-85mm. Mit halb vollem Akku und frisch formatierter 16GB Speicherkarte geht es auch Motivsuche in unserer Hotelanlage. Eigentlich könnte man auch schnell zum kleinen Strand etwas weiter südlich fahren. Aber ich habe schon etwas Bier getrunken und vielleicht sind wird dann zu spät. Während die Sonne immer tiefer steht schieße ich viele viele Fotos dieser großen Hotelanlage. Gekniet, gebückt, stets darauf bedacht Symmetrien und Spiegelungen und diagonale Linien einzufangen.

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Erster Praxisttest mit Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt

Kurz bevor die Sonne komplett verschwindet geht es im Laufschritt zurück zu unserem Zimmer. In Windeseile wird das nagelneue noch nicht wirklich ausprobierte Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt Objektiv an meine Nikon D800E montiert. Schnell noch das neue Bilora-Stativ darunter geschraubt, der Kabelauslöser eingesteckt und schon geht es wieder los. Die 64GB UDMA-Speicherkarte wird unterwegs formatiert.

Die kleine Runde die ich am ersten Abend mit meiner kleinen Nikon 1V1 hier gedreht habe kommt mir jetzt zugute. Steht man unter Zeitdruck weil etwas geschieht was aus Superman nicht aufhalten könnte, so ist es mehr als praktisch wenn jeder Handgriff sitzt und man genau weiß wo man sein Stativ aufstellen möchte.

Während ich zu „meiner Location“ haste muss ich daran denken wie ich im Jahr 2009 mitten in der Nacht aufgestanden bin um am Dead Horse Point in Utah einen grandiosen Sonnenaufgang über dem Canyonlands Nationalpark zu fotografieren. Damals wußte ich nicht genau wohin und statt schöne Fotos zu machen, bin ich damals auf der Suche nach dem „besten Punkt“ verschwitzt durch die Gegend geirrt und habe das weshalb ich so früh aufgestanden war im wesentlichen verpasst.

Heute passiert mir das nicht, jetzt sitzt jeder Handgriff, denn ich habe mir dem neuen Rokinon Shift & Tilt Objektiv schon einige „Trockenübungen“ absolviert.

Mit der D800E nehme ich Belichtungsreihen zu je 5 Bildern auf, als Unterschied zwischen den Bildern stelle ich eine Blende (1.0 EV) ein. Außerdem wird der RAW-Modus aktiviert (was sonst) und die Spiegelvorauslösung eingeschaltet. Am Objektiv wähle ich Blende 11. Die Belichtungsautomatik wird abgeschaltet, ich stelle zunächst 1/250s und ISO-100 ein. Ein paar Minuten später dann 1/125s, später 1/60s und schließlich 1/15s. Um diese Werte „herum“ produziert das Bracketing dann jeweils zwei über- und zwei unterbelichtete Bilder. Später öffne ich dann jeweils alle 5 Bilder einer ausgewählten Belichtungsreihe gleichzeitig in Photoshop CS6. Das korrekt belichtete Foto korrigiere ich so, dass es mir gefällt. Den Chip der D800E habe ich am Morgen noch geputzt, aber es ist trotzdem ein einzelner kleiner Krümel zu sehen. Dieser lässt sich aber mit dem RAW-Konverter sehr einfach entfernen. Alle Einstellungen werden danach auf die restlichen 4 Bilder übertragen. Nun werden alle 5 Bilder „richtig“ geöffnet und als JPG-Dateien mit niedrigster Komprimierung gespeichert und geschlossen.

Nun kommt die HDR-Verarbeitung, dazu werden alle 5 JPG-Dateien wieder geöffnet und zwar über File -> Automate -> Merge to HDR pro. Photoshop erzeugt nun automatisch ein bereits sehr ansprechendes HDR-Bild. Anschließend wird an den vielen Reglern so lange geschoben bis mir das Ergebnis gefällt.

Hier habe ich nun mein erstes HDR für Euch, das ich mit dem Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt und der Nikon D800E aufgenommen habe. Die Bilddatei habe ich auf 1920 Pixel Seitenlänge verkleinert. Wer mag kann sie sich ja als Hintergrundbild auf seinem Computer einrichten und sich fortan auf seine eigene Reise nach La Palma freuen 🙂

Nikon D800E - Rokinon 3.5/24mm Shift & Tilt

So geht dann ein Tag dann doch noch relativ euphorisch zu Ende, der so ganz anders begonnen hatte. Letztlich war es heute auf La Palma wieder richtig schön. Langsam aber sicher haben die Insel und ich begonnen uns miteinander anzufreunden. Na schauen wir mal was daraus noch wird…

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