Teneriffa 12-2013 – Tag 10

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Heute ist für meine Sandra der Tag der Tage! Heute geht es zum Delfin Watching und darauf freut sie sich schon fast ein Jahr lang. Um 11h wird sie hier mit einem Auto abgeholt, dann geht es in den Süden und dann von Playa de las Americas mit einem Boot zur Spielwiese der Delfine draußen auf dem Meer. Die Delfine kennen das inzwischen sehr gut und einige genießen es in den Wellen die von den starken Motoren der Boote erzeugt werden zu surfen.

Einige Delfine sind inzwischen sehr zutraulich und kommen direkt an die Boote heran. Angefüttert werden sie indes nicht, denn dies ist streng verboten und wer seine Lizenz behalten will ermahnt seine Gäste den Delfinen nichts ins Wasser zu werfen. Berücksichtigt man den durchschnittlichen Touristen IQ, so würden anderenfalls sicherlich Berge von Brot, Obst und Bonbons bei den Delfinen im Meer landen. Einige Delfine folgen inzwischen den Booten in eine kleine Bucht und dort können ganz Unerschrockene zu den Tieren ins Wasser steigen.

Nach dem Frühstück steigt bei meiner Sandra die Nervosität spürbar. Sie packt ihren neuen Rucksack und bittet mich ein Backup ihrer Speicherkarten zu machen. Ich selbst achte penibel darauf JEDEN ABEND den Inhalt meiner Speicherkarten auf meine externe Festplatte zu kopieren.  Nachdem alles kopiert ist lösche die Dateien von den Speicherkarten. Oft habe ich für den Notfall eine zweite externe Festplatte dabei und lege hier eine Sicherheitskopie ab. Bislang sind mit nur EINMAL Daten verloren gegangen. Das war im Jahr 2011 in der Nähe von Big Sur am der Westküste der USA. Damals habe ich von mehreren Speicherkarten den Inhalt in einen Ordner auf meiner externen Festplatte kopiert. Bei der zweiten Speicherkarte hat mein Mac mich damals „gefragt“ ob er das vorhandene Objekt namens „DCIM“ ersetzen oder den Kopiervorgang abbrechen soll. Ich war es von meinen Windows-Computern gewohnt hier einfach auf „Ja“ zu klicken, denn bei Windows wird der Inhalt des neuen Ordners dem bestehenden hinzugefügt.

Inzwischen kann man in diesen Situationen auf dem Mac auf „Beide Ordner behalten“ klicken, damals ging das noch nicht und es wurde der vorhandene Ordner gelöscht und mit dem neuen Ordner ersetzt. So waren plötzlich fast alle Bilder eines Tages verloren. Damals habe ich mich schwer geärgert und bin am nächsten Tag noch einmal zurück gefahren um alles erneut zu fotografieren. Doch ein Foto ist fast immer eine einzigartige Momentaufnahme die sich meist nicht wiederholen lässt. So bin ich damals mit vielen neuen und vor allem besseren Fotos zurück gekehrt. Ein echter Verlust war es also nicht, aber ich habe vor allem daraus gelernt noch sorgfältiger bei der Datensicherung vorzugehen. Daher kann ich es auch nicht haben, wenn ich bei der abendlichen Datensicherung angesprochen werden und zwischen durch mal schnell dieses oder jenes erledigen soll. Denn dann geht meist etwas schief weil man nach dem Abendessen oder einer anderen eingeschobenen „Nebentätigkeit“ nicht mehr so genau weiß was schon alles gesichert ist, was man löschen kann und was eben noch „einzigartig“ ist.

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In den Tagen die wir hier auf der Insel sind hat meine Sandra noch gar keine Daten gesichert. Heute ist daher „Holland in Not“ denn für die Delfin-Tour braucht sie Platz auf ihren Speicherkarten.  So drückt sie mir zwei Stunden bevor es los geht eine kleine Sammlung unterschiedlichster Speicherkarten in die Hand. Es ist ein kleiner Zoo, Micro-SD in Adaptern, normale SD-Karten, 8-GB, 16-GB, 32-GB, es ist alles dabei. Ihre neue externe 1TB Festplatte mit USB-3.0 ist noch leer und so schnappe ich mir meinen neuen Mac und schiebe alles auf die leere Festplatte. Weil wir nicht wissen was auf welcher Karte ist, lege ich dort einen Ordner „Unsortiert“ an und erstelle für jede Speicherkarte einen Unterordner mit schönen Namen wie „Micro-SD 8GB SanDisk – Buenavista“. Beim Kopieren der Daten fällt auf, dass die Lesegeschwindigkeit stark variiert. Bei einigen Karten kann 1GB in rund 60s kopiert werden, bei anderen Karten dauert ein vergleichbarer Vorgang bis zu 180s lang.

Es fällt auch auf, dass meine neuen 64GB großen 400x CF-Karten mit Ultra-DMA (Direct Memory Access) im Vergleich einfach rasend schnell sind. Hier kann ich 1GB in ca. 20s auf eine externe Festplatte mit USB 3.0 kopieren. Das ist sehr cool wenn man nach einer ausgedehnten Session die Datensintfluten der Nikon D800E sichern möchte. Gestern habe ich im Jardín Botáninco wirklich viele Video-Sequenzen aufgezeichnet und so sind fast 40GB zusammen gekommen. Dieser Datenwust lies sich relativ schnell in Sicherheit bringen. In den Zeiten meiner Nikon D100 wäre dies via USB 1.1 eine abendfüllende Veranstaltung geworden!!

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Hier im Hotel klappt es mit dem Zugang zum Internet heute mal wieder überhaupt nicht. Gestern ging es kurzzeitig aber spät am Abend war zwar das WLAN erreichbar, aber die Webseite für die Autorisierung lies sich nicht öffnen. Heute ist es das gleiche Spiel, eben habe ich unten an der Rezeption nachgefragt was den los ist und ob man nicht irgendetwas tun könne damit es mit dem Zugang zum Internet wieder klappt. Die nette Dame an der Rezeption hat mir daraufhin gesagt, der Router sei schon wieder einmal kaputt und sie habe den Servicetechniker angerufen. Dieser sollte schon vor einer Stunde hier sein. Ich solle mich bitte noch etwas gedulden…

Wirklich verstehen tue ich das alles nicht mehr, meine heimische Fritzbox läuft seit Jahren ohne Probleme und ich kann mich nicht einmal daran erinnern, wann ich sie zuletzt neu starten musste. Aber hier auf Teneriffa ist man mit diesem leidigen Thema seit Jahren konfrontiert. Ganz gleich wo man ist, der Internet-Zugang ist ein Trauerspiel. Meist klappt es via Smartphone und HSPDA sehr gut, aber mit einem deutschen Vertrag ist genau das eben unglaublich teuer.

Wer mit dem Gedanken spielt hier her zuziehen und hier zu leben und dafür einen schnellen Zugang zum Internet braucht, der sollte sich vorher unbedingt schlau machen was wo geht und was eben nicht. Sicher ist es eine gute Idee vor der Unterzeichnung eines Mietvertrages mal einen Plausch mit den zukünftigen Nachbarn zu halten. Wer in La Laguna wohnt wird es beispielsweise etwas einfacher haben. Dort sollen 6 MBit/s möglich sein, aber hier draußen „auf dem Lande“ gibt es oftmals nur sehr alte Telefonleitungen die keine flotten Datenraten ermöglichen. Während in deutschen Großstädten mittlerweile 100 MBit/s möglich sind geht es hier in der Nähe von Afrika doch eher „gemütlich“ zu…

Gegen 12h gebe ich alle Versuche einen Artikel zu publizieren auf und beschäftige mich ein wenig mit meiner Fotoausrüstung. Irgendwie kann ich den vierten Akku für meine D800E nicht finden. Eigentlich bin mich mir sicher, dass ich vier Akkus dabei habe. Aber ein Exemplar scheint sich so gut zu verstecken, dass ich es einfach nicht finden kann. Bei der Spielerei fällt mir auf, dass die Nikon 1 V1 bei einem EN-EL15 Akku im Display anzeigt, dieser Akku wäre verbraucht und könnte nicht mehr verwendet werden. Tatsächlich zeigt die Akku-Diagnose sowohl der D800E als auch der Nikon 1 V1 an, dass dieser Akku sich in Stufe 4 befinde, was auch immer das heißen mag… Stufe 4 ist jedenfalls nicht gut, das heißt, dass der Akku kaum noch Kapazität hat und nicht mehr lange durchhalten wird. Die D800E funktioniert noch damit, aber meine Nikon 1 V1 lehnt ihn kategorisch ab. Also packe ich gegen 13h meine Sachen und fahre rüber zum Alcmapo La Villa. Dort gibt es einen kleinen Fotoladen, vielleicht hat der einen Akku für meine Kamera(s). Der Weg zum Einkaufszentrum ist schnell und problemlos, einen Akku gibt es in dem kleine Fotoladen freilich nicht. Mir kommt in den Sinn es mal bei Visanta in der Innenstadt zu versuchen. Das ist der einzige Laden in Puerto dem man wirklich vertrauen kann. Die unzähligen kleinen Foto und Elektronik Läden an der Promenade sollte man eher meiden wenn man nicht von A bis Z über’s Ohr gehauen werden will.

Also beschließe ich im Parkhaus unter dem Alcampo mein Auto zur Ausfahrt nach Santa Cruz zu lenken. Allerdings erweist sich das als großer Fehler, als ein echt großer Fehler! Es ist der letzte Tag vor Weihnachten und es ist einfach die Hölle los. Nichts geht mehr, bis zur Autobahn brauche ich fast eine halbe Stunde obwohl es nur ein paar hundert Meter sind. Als ich schließlich etwas oberhalb von Puerto de la Cruz bin, ist der Blick auf die Bucht am Playa Martianez sehr schön und ich halte meinen OPEL Meriva instinktiv am rechten Seitenstreifen an. Schnell raus und ein paar Fotos machen. Dabei staune ich nicht schlecht, als ich plötzlich vor dem Auto meines Freundes Wolfgang stehe, die Welt ist hier wirklich klein. Ich schreibe ihm gleich mal eine SMS, aber es kommt keine Antwort. Ok, ich will auch nicht stören also mache ich noch ein paar Fotos. Schließlich bin ich schon etliche hundert Meter den Berg hinab in Richtung Innenstadt gelaufen. Warum also umkehren und das Auto holen, wenn man in der Stadt eh keinen Parkplatz findet? Also geht es zu Fuß weiter. Am Strand angekommen filme ich ein wenig die Surfer und mache mich dann auf den Weg zu einer der beiden Visanta Niederlassungen. Dort werde ich tatsächlich sofort fündig, es gibt sogar zwei Akkus! Es sind keine Original-Akkus, aber der Verkäufer versichert mir, dass sie problemlos in meinen Kameras funktionieren. Wir machen die Probe aufs Exempel, schließlich habe ich meine Nikon 1 V1 dabei. Und siehe da, die Akku-Diagnose erkennt diese Batterie und zeigt sie mit „0“ an, also „Neu“ statt „4“ wie „Alt“. Der Akku hat sogar noch 43% seiner Ladung – perfekt er ist gekauft!

Beim Preis muss ich ein wenig schlucken, denn diese Akkus sind nur wenig billiger als die Original-Akkus von Nikon. Satte 75,- Euro für zwei EN-EL15 Akkus, wahrscheinlich wären sie via amazon.de in Deutschland billiger gewesen. Aber egal, die Dinger funktionieren und ich will hier in den nächsten Wochen noch viel fotografieren!

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Mit den beiden Akkus in der Fototasche geht es ein wenig durch die Stadt. Ein paar Meter weiter finde ich einen Typen der sich komplett mit goldener Farbe angemalt hat und eine grinsende Statue gibt. Mal sitzt er auch einem unsichtbaren Stuhl, mal grinst er und freut sich wenn man ihm ein paar Euros in seine kleine goldene Konservendose wirft. Mir kommt die Idee ihn mit meinem ND-1000 zu fotografieren. Schnell ist das Nikon AF-S 1,2/32mm an die Nikon 1 V1 montiert. Jetzt noch der Filter-Adapter von 40,5 auf 77mm und schon passt mein B&W ND-1000 Graufilter! Später werde ich ganz erstaunt über die Farbwiedergabe sein. Bislang habe ich diesen Filter an der Nikon 1V1 noch nicht benutzt und ich bin überrascht wie gut diese Kamera sich mit diesem Filter schlägt!

Etwas unterhalb der Promenade ist eine kleine betonierte Fläche von der aus man einen schönen Blick auf das Meer hat. Dort stelle ich mein kleines Stativ auf und schraube die Nikon 1 V1 oben drauf. Mit dem ML-L3 Infrarot-Auslöser kann ich sie nun perfekt erschütterungsfrei auslösen. Und so entsteht Bild um Bild. Plötzlich fällt mir der tolle Abendhimmel über der Stadt auf. Schnell wechsle ich das 1,2/32mm geben das 6,7-13mm Weitwinkel-Zoom. Doch diese Objektiv ist deutlich weniger lichtstark und so zeigt die Kamera in Kombination mit dem ND-1000 Filter auf dem rückwärtigen Display praktisch gar nichts mehr an. Auch der Autofokus funktioniert nicht. Aber man kann diese Kamera auch ganz prima manuell fokussieren. Und bei Blende 8 ist aufgrund der kurzen Brennweite die Tiefenschärfe so gewaltig, dass ohnehin alles scharf abgebildet wird.

Ich gehe etwas zur Seite und direkt vor mir ist ein großer Lava-Felsen im Wasser an dem sich ganz wunderbar das Wasser bricht. Gelegentlich rollt vom Meer eine kräftige Welle heran und überspült diesen Kameraden komplett. Das sieht bei etwas längeren Belichtungszeiten richtig geil aus. Als es für den ND-1000 zu dunkel ist, tausche ich den Filter gegen einen „normalen“ Grauverlaufsfilter. Damit sieht der Himmel jetzt so richtig krass kitschig aus und die dunklen Felsen haben noch etwas Zeichnung. Bild um Bild entsteht und ich bin richtig aus dem Häuschen weil sie auf dem Display der Nikon 1 so supergut aussehen.

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Später im Hotel halten diese Fotos dann tatsächlich was das Display schon versprach. Ich bin total glücklich mit der fotografischen Beute dieses recht ungeplanten Tages. Gegen 20h ist dann auch meine Sandra von ihrer Tour zurück. Sie hat rund hundert Delfine und alle möglichen anderen Fische gesehen. Sie ist müde aber überglücklich. Schnell schauen wir uns einige ihrer Fotos auf dem Display ihrer Nikon D5100 an. Und ich bin beeindruckt was das Sportprogramm dieser Kamera heute wieder geleistet hat!! Allerdings hat meine Sandra die ersten und wichtigen Fotos mit einer 32GB großen Micro-SD Karte und einem Karten-Adapter aufgenommen. Irgendwann hat die Kamera nicht mehr ausgelöst und nur noch Fehler gemeldet. Ob diese Fotos nun alle verloren sind, werden wir morgen sehen. Aber selbst wenn, der Tag war auch ohne fotografische Ausbeute für sie wirklich gelungen.

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Nun haben wir 22h30 und der Tag war lang und meine Füße schmerzen. Ich bin viel in der Stadt herumgelaufen und habe stundenlang neben meiner kleinen Kamera gestanden und auf die perfekte Welle gewartet. Der Internet-Zugang des Hotels funktioniert noch immer nicht, es ist ein Trauerspiel. Also gehe ich jetzt mal ins Bett und versuche mich ein wenig auf das Weihnachtsfest einzustimmen, das laut Kalender morgen vor der Türe stehen soll, glauben kann ich es ja nicht so wirklich…

Ein Kommentar zu “Teneriffa 12-2013 – Tag 10

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