Jacobsweg mit dem Motorrad

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Ich bin jetzt seit einem Monat mit meinem Motorrad und meinen Kameras unterwegs und heute soll es von Gijón nach Santiago de Compostela gehen. Die Geschichte dieser Stadt ist mindestens so lang wie der Weg dorthin. Neben Rom und Jerusalem ist Santiago de Compostela die wichtigste Pilgerstätte der Katholischen Welt. Der Ruhm der Stadt geht zurück auf „Jakobus den Älteren“, einen der zwölf Jünger von Jesus Christus. Nachdem Jesus gekreuzigt wurde und sich später auf geheimnisvolle Weise verflüchtigt hatte, ist eben dieser Jakobus nach Spanien gezogen um dort zu missionieren. Allerdings war er weniger erfolgreich und landete schließlich wieder in Palästina wo er im Jahre 44 im Auftrag des König Herodes enthauptet wurde.

Wie er zurück nach Spanien gelangte, darum ranken sich diverse Legenden. Möglicherweise wurden seine Überreste von Mönchen vor den frühen IS Terroristen nach Spanien in Sicherheit gebracht, genau weiß man es allerdings nicht. Im Jahr 818 sah der Legende nach ein Eremit eine „Lichterscheinung“ (über dem Grab des Jakobus), er meldete dies, es begann eine Ausgrabung und schon hatte man einen der Jünger von Jesus Christus nur knapp 800 Jahre nach dessen Tod in Spanien gefunden. Wie gesagt, alles eine Legende. Aber schon früher ließen sich Legenden gut vermarkten und so wurde  um die Grabstätte herum eine Kirche gebaut und es begannen Pilger quer durch Spanien dorthin zu reisen. Dies taten sie meist zu Fuß, denn das Mountainbike war damals noch nicht erfunden. Mit den Jahren wurde die Kirche zu klein und es wurde bereits im Jahr 872 mit dem Bau einer größeren Kirche begonnen. Im Jahr 997 wurde die Kathedrale dann zerstört und arme Schweine, die blöderweise Christen waren, mussten die Glocken rund 1.000 Kilometer weit nach Osten schleppen. Die Revanche kam 1237, danach mussten maurische Sklaven die Glocken wieder zurückschleppen. Was für eine unglaubliche Verschwendung menschlicher Arbeitskraft… Etwa im Jahr 1075 hatte man schon begonnen die Kirche neu aufzubauen, ungefähr so wie man sie heute kennt. Als die Glocken zurückkehrten, war die neue Kathedrale also schon wieder reichlich betagt.

Aktuell wird die Kathedrale komplett renoviert und auch die Glocken haben mal wieder eine Abwechslung auf dem Programm.

Spätestens seit dem Buch „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling ist das Pilgern auf dem Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostela bei der Mehrzahl der Deutschen angekommen. Es gibt nun sogar Bücher wie man den Jakobsweg mit dem Motorrad abfahren kann.

Für meine Fahrt nach Santiago de Compostela habe ich mir eine schöne Route ausgesucht, die entlang des Meeres auf kurvigen Landstraßen in Richtung Westen verläuft. Am Morgen bin ich um 10:30 startklar. Gijón ist schnell verlassen und nach einem Tankstopp beginnt ein unglaublicher Kurvenspaß. Leider fällt mir erst nach etwa 50 Kilometern auf, dass ich wieder einmal vergessen habe die Route mit meinem TomTom Rider aufzuzeichnen, aber man kann nicht an alles denken. Jedenfalls sind die Straßen wenig befahren und es macht hier mit dem Motorrad richtig viel Spaß.

Immer wieder passiere ich ganze Gruppen von Menschen mit Wanderstäben, Rucksäcken und ISO-Matten auf dem Rücken. Es dauert eine Weile bis mir klar wird, dass heute kein Wandertag ist, sondern, dass all diese Menschen zu Fuß unterwegs nach Santiago de Compostela sind. Einige Mountainbiker gibt es freilich auch. Die Menschen die man auf Rennrädern sieht, trainieren eher für die nächste Tour de France.

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Wie dem auch sei, die Strecke ist traumhaft schön. Es geht durch ausgedehnte Wälder, ich komme an schönen Seen vorbei und kann immer mal wieder das Meer sehen. Die Autobahn sehe ich meist von unten, wenn ich mich mal wieder durch enge Kurven schwinge, die unter den unzähligen Brücken verlaufen.

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Nach ein paar Stunden packt es mich dann doch, der Weg ist noch weit und beschwerlich genug, ich fahre auf die Autobahn A8. Bereuen werde ich es nicht, denn diese Autobahn ist eine echte Prachtstraße. Der Ausblick auf das Meer ist teilweise grandios und von einigen Brücken hat man eine atemberaubende Sicht auf idyllische Orte die direkt am Meer gelegen sind.

Nach rund 80 entspannten Autobahn-Kilometern geht es über die Landstraße weiter. Es ist wirklich schön hier und die Tour macht mir großen Spaß. Als ich in Santiago de Compostela eintreffe bin ich zunächst ziemlich enttäuscht. Im Film „Dein Weg“ wird diese Stadt als idyllisches Örtchen mit mittelalterlichem Charme gezeigt. Ganz so ist es aber nicht. Wie bei jeder modernen Stadt gibt es auch hier mehrere Autobahnabfahrten, es gibt Hotelburgen in der Peripherie und es gibt natürlich extrem viel Kopfsteinpflaster.

Was mir nicht ganz klar ist, der eigentliche Stadtkern ist Anwohnern und Fußgängern vorbehalten. So halte ich etwas gefrustet auf einem Parkplatz an, schnappe mir mein Telefon und buche via HRS ein Zimmer im Hotel Eurostar San Lázaro zum moderaten Preis von 89,- Euro.

Im Hotel angekommen ist Zeit mich etwas auszuruhen und über das halbwegs funktionierende WiFi-Netzwerk mit dem kleinen MacBook Air bei Google-Maps genauer nachzuschauen. Schließlich schwinge ich mich wieder auf mein Motorrad, um mit der Fuji X-E2 und dem XF 18-55mm doch noch die Innenstadt zu erkunden und ich werde es nicht bereuen…

Hier habe ich einen ganz kleinen Teil der Fotos dieser Session.

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Im gesamten Innenstadtbereich geht quirlig und munter zu. Überalls sind kleine Herbergen, Restaurants, Bars, Museen und natürlich Pilger, echt viele Pilger. Alle sind irgendwie glücklich es endlich hierher geschafft zu haben.

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Eine junge Frau sitzt einfach nur auf der gegenüberliegenden Seite der großen Kathedrale und genießt ganz still den Augenblick. Sicher tun ihre Füße höllisch weh und sicher war sie echt lange unterwegs.

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Nach der Fotosession meldet sich mein Magen, ich habe wieder Hunger. Nur trotz der vielen Restaurants kann ich so recht nichts finden. Die meisten „richtigen“ Restaurants haben noch geschlossen. Bereits in Bilbao war mir ja aufgefallen, dass es hier völlig normal ist, das Abendessen erst nach 20h zu beginnen. Bis dahin hält man sich mit kleinen Tapas bei Laune. In meiner schweren Lederkombi bin ich im schwül warmen Wetter bei etwa 25°C irgendwann nicht mehr in der Lage mich entspannt in ein Restaurant zu setzen. Also gehe ich zum Motorrad, um zurück zum Hotel zu fahren und dort etwas zu essen.

Als ich gerade mein Motorrad starten will, fällt mir der Kilometerstand auf und dieser muss natürlich sofort mit dem Telefon dokumentiert werden.

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Um kurz nach 20h bin ich dann im gepflegten Restaurant des Hotels und genieße eine Käseplatte und einen sehr guten Cesar Salat. Das Leben kann so schön sein und hier in Santiago de Compostela ist es irgendwie noch einen Tick schöner. Aber es muss ja auch einen Grund geben warum sich die Menschen seit fast zweitausend Jahren die Füße wund laufen um hierhin zu kommen.

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Hier noch einige Impressionen des Tages. Außer meiner Fuji X-E2 und dem XF 18-55 habe ich den gesamten Tag über keinerlei anderes Equipment verwendet!

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