Mit dem Motorrad nach El Hierro

Es ist mein vorerst letzter Tag auf Teneriffa und heute soll es mit der Fähre weiter nach El Hierro ganz im Westen der Kanarischen Inseln gehen.

Am Morgen kontrolliere ich meinen Bluterguss, den ich mir beim Sturz vor einigen Tagen zugezogen habe. Das Hämatom verändert sich jeden Tag und es sieht aus, als würde es langsam aber sicher wieder abklingen. Die Stelle ist noch etwas druckempfindlich und bei einigen Bewegungen werde ich immer wieder daran erinnert, wie gefährlich das Leben sein kann. Aber ich komme damit sehr gut zurecht, echte Einschränkungen gibt es inzwischen nicht mehr.

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Am Vorabend hat Köchin Melanie wieder ein sehr leckeres Abendessen zubereitet. Es gab mariniertes Rinderfilet mit Kartoffelspalten und Tomatensalat, lecker!!

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Am nächsten Morgen schlafe ich lange aus und wandere gegen 9h in aller Ruhe zum Frühstück. Ein letztes Mal kann ich mit Christine und Norbert aus Hamburg an einem Tisch sitzen und mit ihnen die Vorzüge des Lebens auf Teneriffa diskutieren. Später kommen noch Christof und Corinna hinzu, sie haben noch eine Woche auf Teneriffa vor sich. In dieser Woche wollen sie ein Motorrad mieten und die Insel auf zwei Rädern erkunden, keine schlechte Idee!!

Christine und Norbert müssen heute ebenfalls wieder abreisen, es geht zurück nach Hamburg. Gegen Mittag verabschieden wir uns und ich springe ein letztes Mal in den herrlich gelegenen Pool der Finca San Juan. Kurz darauf habe ich mein Gepäck auf meinem Motorrad verstaut, alles was ich nicht wirklich brauche, kann ich bis zu meiner Rückkehr am 25. September in „meinem kleinen Häuschen“ mit der schönen Nummer 110 lassen.

Meine Wäsche habe ich am Vortag erneut auf der Finca waschen lassen. So kann ich mit frischer Wäsche nach El Hierro starten und muss mich in den nächsten Tagen nicht mit Handwäschen usw. beschäftigen. Ein Ticket habe ich auch schon, gleich nach der Buchung konnte ich mich online einchecken und Jo, der Chef der Finca San Juan, hat das Ticket für mich ausgedruckt. Nachdem ich mich verabschiedet habe geht es mit dem Motorrad auf nach Los Christianos.

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Zwischendurch tanke ich meine BMW noch voll, der Liter Super 98 kostet nur 1,08 Euro. Nach etwa 90 Minuten Fahrzeit bin ich im Hafen von Los Christianos, mein TomTom Rider hat mich zielsicher geführt. Ich habe mich nicht einmal verfahren, alles lief wie am Schnürchen. Im Wartebereich stelle ich mein Motorrad ganz vorne in die zweite Reihe, irgendwie habe ich das Gefühl, dass mich dabei böse Blicke streifen. Aber egal, ich trage einen Helm und sehe in meiner alten ziemlich herunter gekommenen schwarzen Lederkombi reichlich böse aus, bin ich aber gar nicht…

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Mit dem Ticket in der Hand gehe ich mal in das Gebäude gegenüber. Es ist gebaut wie ein Schiff, vorne ganz spitz mit einem Restaurant am „Bug“. Innen gibt es Toiletten und alles was man sich wünschen kann. Beim Schalter von ARMAS sitzt ein junge Frau die sich kurz mein Ticket anschaut und dann sagt „That’s okay!“

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Gleich nebenan steht ein schönes Modell einer ARMAS Fähre. Davor steht ein kleiner Junge und drückt sich am Plexiglas die Nase platt, es ist wirklich niedlich wie sehr ihn dieses Modell begeistert.

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Oben auf dem „Bug“ der Abfertigungshalle sitze ich bei einem Bier und kann mir das Treiben weiter unten anschauen. Ich habe noch fast zwei Stunden Zeit bis die Fähre ablegen soll. Noch ist die Menge der wartenden Autos sehr übersichtlich, aber im Laufe der nächsten Stunden wird sich das noch ändern.

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Gleich nebenan ist der Anleger des Norwegischen Reederei Fred Olsen.

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Kurz bevor die ARMAS Fähre eintreffen soll, hat sich der Parkplatz gefüllt. Lauter LKW stehen verkehrt herum, um auf die Fähre zu kommen müssen sie erst rückwärts fahren dann vorwärts in die Fähre und anschließend auch noch in der Fähre wenden. Keine ganz leichte Aufgabe, die aber alle Fahrer mit Bravour meistern.

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Als die Fähre mit etwa 30 Minuten Verspätung eintrifft bin ich echt erstaunt wie cool dieses Ding aus der Nähe aussieht. Es ist wie ein Raumschiff aus einem Sience Fiction Film, nur dass es schwimmt und nicht fliegt.

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Das Ausfahren der großen „Brücken“ ist der Hit bei den wartenden Fahrgästen. Nach rund 20 Minuten haben alle LKW und PKW die Fähre verlassen und wir können der Reihe nach auf die Fähre fahren. Ich habe das einzige Motorrad, gleich neben mir steht aber noch ein kleiner Roller.

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Meine BMW wird mit nur einem blauen Spanngurt am Boden festgezurrt. Erst kurz zuvor ist mir aufgefallen, dass ich alle Spanngurte usw. die ich extra für die Überfahrten mit den Fähren mitgenommen habe, in meinem kleinen Häuschen auf der Finca San Juan vergessen habe, was für ein Mist!!! Mit einem reichlich unguten Gefühl lasse ich mein schönes Motorrad im Bauch der Schnellfähre zurück. „Es wird schon gut gehen…“ rede ich mir ein…

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In der Fähre erwartet mich ein moderner Fahrgastraum mit einem kleinen Bistro. Hier wird man es in den nächsten drei Stunden sehr gut aushalten können.

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Nachdem wir La Gomera passiert haben taucht im letzten Sonnenlicht El Hierro am Horizont auf. Während wir auf die Insel zusteuern wird es dunkel und man kann die Lichter von drei kleinen Orten sehen. Die Fähre steuert den mittleren dieser Orte an.

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Als sich das Schiff noch im Hafen dreht um die richtige Position für das Anlegen an der Hafenmauer zu finden, dürfen die Fahrgäste nach unten zu ihren Autos. Während der Fahrt war alles verriegelt. Ein Fahrgast der für seine kleine Tochter etwas aus dem Auto holen wollte, musste dies in Begleitung eines Mitarbeiters der Fährgesellschaft tun. Sicherheit wird hier scheinbar recht groß geschrieben. Etwa einen Meter neben meiner BMW ist ein riesiger LKW geparkt. „Huch“ denke ich als ich sehe. „Gut, dass er die Handbremse fest angezogen hatte, sonst wäre mein schönes blaues Motorrad jetzt platt wie eine Flunder…“

Als ich meinen Helm aufsetze fällt mir auf, dass das gesamte Motorrad und auch mein Helm mit einer feuchten Schicht aus Meerwasser überzogen sind. Das sollte ich schnell abwaschen wenn ich wieder auf festem Boden bin!

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Das Verlassen der Fähre ist problemlos. Rund 100 Meter weiter halte ich kurz an und will die Adresse des Hotels in mein TomTom Rider eingeben. Als ich bei der Hausnummer angekommen in, startet das TomTom aber bereits die Navigation. Scheinbar gibt es keine Hausnummer, na schauen wir mal.

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Durch die dunkle Nacht geht es etwa 25 Kilometer weit über die Insel. Zwischendurch ist vor mit ein kleiner Mietwagen dessen Fahrer immer abwechselnd auf das Gas und dann wieder auf die Bremse tritt, der Typ macht mich echt fertig. Es gibt keine Straßenbeleuchtung und die Straßen sind eng und kurvenreich. Meist gibt es auch eine durchgezogene Linie, also bleibe ich dahinter und ärgere mich fast 10 Kilometer lang über diesen Hampelmann der vom Autofahren scheinbar so viel versteht wie ich vom Reiten.

Kurz vor dem Ende der Route leitet mich mein TomTom einen steile kleine Straße hinauf, die nach etwa 100 Metern in groben Schotter übergeht und sich steil den Berg hinauf schlängelt. Das kann es echt nicht sein, bloß nicht noch einmal umkippen… Noch auf dem Asphalt halte ich an und wende meine schwere Fuhre. Unten auf der Hauptstraße fahre ich etwas hin und her in der Hoffnung, das Hotel auch so zu finden. Aber hier sind nur einige nette kleine Restaurants die jetzt um 22h am Abend alle noch geöffnet haben.

Schließlich halte ich vor einer Pizzeria, starte mein Smartphone und suche mir mittels Internet-Zugang und GPS-Empfang meine Position. Danach öffne ich die Buchungsbestätigung und schaue mir nochmals genau die Adresse an: „Tigaday 19“

Bei Google Maps finde ich diese Adresse sofort, bei meinem TomTom Urban Rider mit dem allerneuesten Kartenmaterial für fast 30 Euro leider nicht. Also gebe ich bei meinem TomTom über „Ort auf Karte auswählen“ mein Ziel ein. Nun klappt alles bestens, ich bin nach einigen Minuten vor den Apartamentos Frontera. Die Rezeption ist noch besetzt, die super nette Lady hat extra auf mich gewartet. In sehr gutem Englisch bekomme ich alles erklärt, ich darf mein Motorrad im Innenhof parken und es gibt zwei große Mangos aus biologischem Anbau, perfekt! Mein Zimmer ist in der dritten Etage mit Blick in den kleinen Garten.

Auf dem folgenden Fotos kann man sie ganz rechts im Bild sehen.

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Im Zimmer #301 angekommen bin ich überrascht, dass es zwei Betten und eine kleine Küchenzeile gibt. In den Schränken sind sogar Töpfe und Pfannen, lediglich das Spülmittel, eine Spülbürste und ein Trockentuch fehlen. Aber gleich schräg gegenüber ist ein Supermarkt, da werde ich morgen alles kaufen was ich für sinnvoll halte. Im Bad gibt es auch keine Seife und kein Shampoo. Kein Problem, das gibt es sicher auch im Supermarkt.

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Am Ende des Tages bin ich glücklich und freue mich jetzt auf ein Bier. Gleich unten neben der Rezeption ist eine Bar. Ein Bier kostet hier nur 1,- Euro, ich trinke gleich drei Stück davon, denn sie sind kalt und wirklich lecker!

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Das war sie also, meine Überfahrt nach El Hierro. Ich bin jetzt auf der westlichsten Insel Spaniens. Früher einmal war diese Insel der „Null-Meridian“ bis dieser am 13. Oktober 1884 nach Greenwich in England verlegt wurde. In den letzten Jahrhunderten galt El Hierro als das westliche Ende der Zivilisation wie wir sie kennen. Und laut Jo von der Fina San Juan hat sich daran noch nichts geändert, aber das will ich in den kommenden Tagen selbst erkunden.

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