Pimp my Laptop

An den 30.April 2007 erinnere ich mich noch sehr gut. Es war ein Montag und statt nach Düsseldorf zur Arbeit zu fahren, habe ich meinen Peugeot nach St. Augustin gelenkt, zu meiner „Heimat-Geschäftsstelle“. „Ansgar, was machst Du denn heute hier?“ „Ich will kündigen!“ „Was?? So einfach geht das aber nicht!“ „Doch so einfach geht das, denn heute ist der letzte Tag meiner Probezeit!“ „Ein paar Stunden später war ich dann arbeitslos und zugleich irgendwie befreit. Die Aussicht vielleicht noch mehrere Jahre jeden Tag von Bonn vorbei an Köln zu meinem Projektstandort nach Düsseldorf zu fahren, waren frustrierend. Zweimal am Tag im Stau, oder alternativ zwischen lärmenden Schulkindern in U-Bahn und Interregio, das war keine glückliche Perspektive.

Ein paar Tage später war ich dann meine eigener Chef. Wirklich cool, endlich konnte ich meine KPMI (Keep-Performance-Management-Interview) mit mir selbst führen. Meine Bonus-Vereinbarung konnte ich mit mir allein abstimmen, eine feste Anzahl von Urlaubstagen gab es nicht mehr und ein „Project De-Briefing“ stand auch nicht mehr auf der Tagesordnung! Statt dessen gab es eine kräftige Starthilfe der Agentur für Arbeit und gleich ein neues Projekt in Berlin. Berlin? Ja, Berlin, das ist zwar viel weiter weg als Düsseldorf, aber es ist ungleich cooler in einem Projekt im Herzen Berlins zu arbeiten als in Düsseldorf in einem halbfertigen Industriegebiet in Sichtweite des Flughafens zu versauern. Als mein eigener Chef war ich im neuen Projekt nun auch für meine eigene IT-Ausstattung zuständig. Also musste ein neues Notebook her. Letztlich habe ich mich für ein DELL INSPIRON 9400 mit Intel Centrino Core Duo entschieden. Zweimal 2 GHz, 2GB Speicher und eine 500GB Festplatte ein 17″ Display mit 1920 x 1200 Pixeln Auflösung, einen leistungsstarken Akku, einem Dual-Layer-DVD-Brenner und und und… Der ganze Spaß hat mit Software knapp 3.000 Euro gekostet. Was für eine Höllenmaschine!

Das neue Notebook

Das Projekt in Berlin ließ sich mit diesem Arbeitsgerät perfekt bestreiten. Gearbeitet habe ich in einer VM-Ware-Instanz mit Windows XP und Microsoft Visual Studio .NET 2005 – genau so wie der Kunde es auch hatte. Das neue Notebook boot eine nativen Support für virtualisierte Computer – meine VM-Ware „Kiste“ lief problemlos! Am Ende des Tages liefen dann sogar eine Windows XP Workstation und ein Windows 2003 Server parallel in zwei virtuellen Maschinen auf meinem neuen Notebook, so konnte ich ein komplettes Client-Server-System entwickeln, simulieren und debuggen. Perfekt!

Im Anschluß an das Projekt in Berlin ging es in Mainz in ein neues Projekt. Dort wurde an fertig installierten Computern des Auftraggebers gearbeitet. Meine große schwere Höllenmaschine geriet langsam aber sicher ein wenig in Vergessenheit.

Im Jahr 2010 dann der Schritt zur Softwareentwicklung für das iPad und das iPhone. Ein MacBook musste her. Dieses schön gemachte Ding erwies sich als wirklich brauchbar. Leider ist im Apple-Universum vieles anders. So hat dieses schöne MacBook auf der Tastatur keine Klammern wie diese hier [ ] { } oder einen |… Doch all das braucht man wenn man in C++, C# oder Objective-C programmieren will. Klar gibt es diese Sonderzeichen auch auf dem Mac, aber es ist umständlich. Auch gibt es keine „richtigen“ Funktionstasten. Dort wo eine „Windows-Tastatur“ eine Reihe von Funktionstasten hat, macht man beim MacBook das Display heller/dunkler, den Ton lauter/leiser usw. An die Funktionstasten kommt man nur in Verbindung mit der Taste Fn. Will man also ein Programm das in einer virtuellen Maschine auf dem Mac läuft mit Alt+F4 beenden, dann muss man zusätzlich immer noch Fn drücken. Irgendwie geht das schon, aber wenn man „tagsüber“ an einem Windows-Rechner arbeitet und abends auf dem Mac, dann kommt man durcheinander und irgendwie nervt das dann.

Warum also nicht die gute alte „Höllenmaschine“ mal wieder beleben?

Im Juni 2011 ist das Ding schon fast 5 Jahre alt, aber so gut wie neu, nur einige wenige Wochen in Berlin benutzt. Als ich es mal wieder anwerfe, installiert das Windows Vista Ultimate 32-Bit zunächst hunderte von Updates, das Ding rödelt mehrere Stunden vor sich hin und startet immer wieder. Als es dann endlich auf dem aktuellen Stand ist meldet ein kleines Programm, dass der Akku langsam aber sicher den Geist aufgeben wird. Hm, was tun? 3.000 Euro einfach bei eBay für wenig Geld verkaufen, es einem lieben Menschen schenken oder es vielleicht Pimpen? Bei MTV habe ich mal gesehen, wie die Jungs von Pimp-My-Ride alten Autos neues Leben eingehaucht haben, das wäre doch mal was, oder?

Neue Komponenten

Ein paar Tage später bin ich zusammen mit Sandra bei Conrad-Elektronik in Bonn. Die Festplatte aus der „Höllenmaschine“ habe ich dabei und einen der Speicherriegel auch! Als wir den Laden verlassen habe ich 4GB neuen Speicher in der Tasche, eine DVD mit Windows 7 in der 64-Bit Version und ein Bestellzettel für eine 256GB SSD (Solid-State-Disk). Der ganze Spaß kostet etwa 600 Euro, dafür könnte man bereits ein neues Notebook kaufen, aber das hätte kein geniales riesiges 17″ Display, keine pfeilschnelle SSD und sicher auch nicht so ein cooles Retro-Design…

Als ein paar Tage später die SSD mit der Post geliefert wird startet die Aufrüstung des guten alten fast neuen DELL Laptops. Die 500GB Festplatte ist in wenigen Minuten gegen die neue 256GB SSD ausgetauscht. Die Speicherriegel sind unter einer kleinen Abdeckung die nur mit zwei Schrauben verriegelt ist. Zweimal macht es ganz leise „Klick“ und schon ist der verfügbare Speicher verdoppelt. Ganz einfach war das! Dann der große Moment, das Ding wird zum ersten Mal eingeschaltet. Alles kein Problem, die SSD wird gleich erkannt und der neue Speicher funktioniert auf Anhieb. Also rein mit der Windows 7 Installations-DVD. Aber zuvor schnell im Setup die AHCI-Funktion aktivieren, denn schließlich soll das Ding ja später mal abgehen wie eine Rakete! Doch da ist keine AHCI-Option!! Oh Mist, ich habe etwas wirklich essentielles vergessen, dieses Notebook ist Baujahr 2007, da gab es weder AHCI noch SSD-Platten. Mist! Auf der DELL Homepage finde ich ein aktualisiertes BIOS, aber das hat auch noch kein AHCI 🙁

Einen Tag später bestelle ich via amazon.de noch einen neuen Akku. Er kommt zwei Tage später via Hermes und kostet inkl. Versand gerade mal 29,- Euro. Interessant wäre zu wissen, was ein vergleichbarer Akku für ein MacBook Pro kosten würde…

Die Installation

Ich ignoriere, dass es kein AHCI gibt und starte einfach eine Windows 7 Installation im SATA-Modus. Das ist wird zwar nicht so schnell sein wie erhofft, aber letztlich vielleicht doch ganz brauchbar sein. Die Installation dauer nur etwa 10 Minuten, dann lebt das neue Windows 7. Leider wurde die Grafikkarte nicht als ATI Radeon X1400 erkannt. Also schnell einen Treiber herunterladen. Zwei Stunden später muss ich feststellen, den gibt es bei DELL nicht und auf den Web-Seiten des Herstellers der Grafikkarte auch nicht – Baujahr 2007 – fast neu und doch uralt?

Ich will das nicht einfach so akzeptieren und suche weiter. Im BLOG eines Computer-Freaks finde ich ein RAR-File das einen geeigneten Treiber enthalten soll. Also downloaden, lokal speichern. Dann ersteinmal 7-Zip installieren, dann das RAR-File entpacken. Über den Geräte-Manager wähle ich für die Grafikkarte „Treiber aktualisieren“ und lasse ihn das Verzeichnis durchsuchen in dem ich den Treiber gerade entpackt habe. Und siehe da, es klappt! Nach einem Neustart habe ich die native Auflösung und Windows-Fenster mit herrlich transparenten Rändern – Herz was willst Du mehr 🙂

Treiber für die Soundkarte und alle weiteren Systemkomponenten finde ich auf der DELL-Seite. Diese Treiber sind zwar eigentlich für Windows Vista, aber sie funktionieren auch mit Windows 7. Am Ende des Tages kann ich sagen „Die Kiste läuft“.

Einen Tag und etliche Updates später ist auch ein Office 2007 inkl. Outlook installiert, meine Postfächer sind eingerichtet, es gibt ein Photoshop CS4, Nikon Capture, Irfan-View, Acrobat Reader, Adobe Flash Player, iTunes, Quicktime, VLC, Windows-Live-Essentials inkl. Virenscanner, Firefox, Safari, Chrome, Skype, Web-Cam, Visual Studio .NET 2010 Express, SQL-Server 2008 Express, Subversion, Tortoise…

Display kalibrieren

Eigentlich fehlt nur noch die Kalibrierung des Displays. Also schnell den Colorvision Spyder in einen USB-Port stecken. Ah ja, die Software fehlt, schnell runterladen, installieren, starten – alles gar kein Problem. Dann die Frage nach dem Lizenzschlüssel! Hm, wo habe ich den schon wieder? Nach einer ausgedehnten Suche in den Schränken und Ablagefächern meines Arbeitszimmers ist er immer noch nicht gefunden! Da fällt mir ein, dass ich diese Situation schon einmal hatte. Damals habe ich eine E-Mail an den Hersteller geschickt und einen Lizenzschlüssel bekommen. „Heben Sie diese E-Mail bitte gut auf, nocheinmal machen wir das nicht!!!!“

Der Rechner läuft nun schon einge ganze Weile und die eingebaute Volltextindizierung hat schon die Inhalte aller lokalen Postfächer abgearbeitet. Also einfach die Windows-Taste drücken und „Datacolor“ eintippen. Schwupps, da ist auch schon die E-Mail aus dem Jahr 2009 mit dem lange gesuchten Lizenzschlüssel – gut wenn man Mails nicht gleich löscht sondern auf dem Server aufhebt! Das Display ist schnell kalibriert und nun sehen auch die Farben meiner Bilder etwa so aus wie ich es mir vorstelle.

Alles gut nur wie ist die Performance?

Nach etwa drei Tagen läuft das Ding wieder, der neue Akku ist eingebaut, die teure alte Kiste ist fast wie neu. Und die Performance ist auch ok. Die ausführbaren Dateien der 64-Bit Version von Windows 7 sind in der Regel doppelt so groß wie bei der 32-Bit Version, aber dennoch startet das Notebook mit der neuen SSD deutlich schneller als das 32-Bit Windows Vista von der alten 500GB Festplatte mit 5400 U/min.

Der kompletter Neustart benötigt bis zum Login-Screen etwa 20 Sekunden. Nach dem Login dauert es etwa nochmals 20 Sekunden dann ist das Ding startklar.

Ich arbeite viel mit Photoshop CS4 – diese komplexe Software startet jetzt in etwa 3 Sekunden. Ich kann riesige Scans öffnen die mehr als 1 GB groß sind. Hier kann die 64-Bit Version von Photoshop ihre Vorzüge wirklich ausspielen! Ein kleines C# Testprojekt mit Visual Studio 2010 komplett neu zu übersetzen und zu starten geht richtig flott.

Letztlich bin ich mit der Performance wirklich zufrieden. Ok, mit AHCI wäre das alles noch einen Tick schneller, aber so ist es schon ganz ok. Dieses alte DELL Notebook ist nun spürbar schneller als mein recht neues MacBook Pro. Das Display ist riesig, die Lautsprecher klingen gut, die externe Logitech Web-Cam liefert spürbar bessere Bilder und besseren Ton als beim MacBook. Die Bedienelemente für Lautstärke usw. an der Vorderseite des Gehäuses sind praktisch. Und ich habe alle Funktionstasten und Sonderzeichen genau dort wo ich sie gewohnt bin. Alles ist gut, nur das große Touchpad meines MacBooks vermisse ich. Man kann Windows 7 auch mit dem eingebauten kleinen Touchpad bedienen, aber auf dem Mac ist das wirklich besser. Daheim in einer Schublade habe ich noch ein Apple Magic-Trackpad. Es gibt auch Treiber für das Ding, aber unter Windows 7 werden die ganzen Gesten mit zwei, drei oder vier Fingerm nicht erkannt, damit ist das Ding unter Windows relativ witzlos, leider!

Zusammenfassung

Mit einem Zeitaufwand von etwa drei Nachmittagen zum Preis von etwa 600 Euro habe ich ein Notebook das bei Apple aktuell etwa 2.500Euro kosten würde. Es sieht nicht so geil aus wie ein 17″ MacBook, es hat keinen topaktuellen i7 Prozessor und keinen schicken „Unibody“ aus Aluminium. Aber der Nutzwert für die tägliche Arbeit ist dennoch hoch. Ich kann darauf Software entwickeln, Bildmaterial verarbeiten und alles tun was man sich von einem Notebook sonst noch wünscht. Dieses DELL INSPIRON 9400 ist allerdings ein großer schwerer Klotz. Aber das ist mir egal, denn für die Reise habe ich ja noch das kleine MacBook 🙂

Kurzum, ich würde sagen – Mission accomplished!

Und so sieht das Ding jetzt aus – nicht anders als früher 🙂

0 Kommentare zu “Pimp my Laptop

  1. […] Hier habe ich noch einen kleinen Nachtrag zum letzten Artikel. […]

  2. Ganz schön viel Arbeit, was Du Dir da angetan hast!

  3. sekugu

    Hi, ich möchte mein Dell Inspiron 9400 auch mit einer ssd aufrüsten. Muss man bei kauf der ssd auf was spezielles achten ? Wo hast du die Treiber für die Graka gefunden ! Vielen Dank

    • Hi sekugu, eignetlich gibt es nichts zu beachten. Du kannst die billigste SSD nehmen die Du bekommen kannst. Alternativ auch eine der ganz neuen Hybrid-Festplatten. Die sind in diesem Notebook ähnlich schnell und man bezahlt für 750 GB nur etwa 100 Euro. Drin „verstecken“ tut sich eine zusätzliche 4GB große SSD. Die Firmware der Hybridplatte sorgt automatisch dafür, dass alle Programme die ständig geöffnet werden automatisch aus dem SSD-Bereich kommen. Das ist dann fast so schnell wie eine SSD und deutlich billiger und größer. Der Chipsatz des „alten“ Inspiron Notebooks ist eh nicht so schnell wie die ganz akutellen SSDs, also bringt es gar nichts die allerschnellste SSD zu verbauen.

      Den Treiber kann ich Dir raussuchen und per Mail zusenden oder hier in den BLOG integrieren, dann kannst Du ihn Dir selbst herunterladen.

      Bin gespannt auf Dein Ergebnis!!

      Ciao,
      Ansgar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>